• JET LEG
Neologismus:
Asynchroner Rhythmus nicht durch Zeitunterschiede,
sondern durch kulturell bedingte Einflüsse.
[Symptome und grundlegende Inhalte in Bezug auf die Definition von Jetlag* »Zeitzonenkater«]
Das Projekt „Residency Home: Planetary Dialogues – Rural Reset“ untersucht ambivalente Räume als Projektionsflächen, Konfliktzonen und Möglichkeitsräume. Ausgangspunkt ist die besondere Auseinandersetzung mit den Erinnerungen, die urbane Orte prägen, und deren Verbindung zu ländlichen Gebieten: Neapel und Görisried.
Ziel des Projekts ist es, einen offenen Reflexionsprozess anzustoßen: Wie verändert sich die Beziehung zwischen Menschen und ihren Lebensräumen? Ein Verhaltensmodell, ein Symbol oder das Selbst. Die Zeit verschwimmt, Grenzen lösen sich auf. Das Realistische und das Mysteriöse verbinden sich auf konventionelle und zugleich widersprüchliche Weise. Das Publikum wird zur Forscher*in, und die emotionale Beteiligung basiert auf einem komplexen System – einem endlosen Kreislauf, der sich auch jenen öffnet, die der explosiven Kraft dieses Verständnisses widersprechen.
Das Projekt ist als Wanderausstellung angelegt. Nach der ersten Recherche-, Residency- und Ausstellungsphase in Neapel reist es weiter nach München, wo Konzepte und künstlerische Praxis kollektiv vertieft werden. Den Abschluss der Reihe bildet Görisried in Bayern.
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Das Projekt JETLEG initiiert einen Prozess des nachhaltigen künstlerischen Austauschs, um kreative Wege der Partizipation zu eröffnen, kulturelle Perspektiven und Synergien zu mobilisieren und neu zu beleben. Als offene Plattform und dynamisches Netzwerk verhandelt JET LEG Themen und Entwicklungen, die auf der Tagesordnung stehen, und bietet vielfältige Möglichkeiten des Dialogs, des gemeinsamen Denkens und Handelns sowie der Reflexion der eigenen Position und Arbeitsweise.
Teilnehmende Künstler:innen und Aktor:inenn der letzten Editionen:
Ambra Viviani, Clarissa Baldassarri, Paolo Puddu, Pennacchio Argentato (Pasquale Pennacchio, Marisa Argentato), Barbara Herold, Federico Delfrati, Danilo Bastione, Florian Huth, Claudia Barcheri, Martin Fengel, Olaf Metzel, Benedetto Piscitelli, Amalia Avantgardini, Felix Flemmer, Noëm Held, Raquel Ro, Constanze Metzel, Carina Müller, Maria Positano de Vincentiis, Diego Miedo, Sinja Strangmann, Veli und Amos, Caitlin van der Maas, Ilana Weinreich, Mystic Choir Kollektiv, Dominik Wendland, Amelie Lihl, Nele Kadava Lava, Marlon Bellet, Andrea Bolognino, Youlee Ku, Jonas Augustin Mann, Antonia Schlenk, Simon Mertl, Tobias Schulz, gli Intufatos, Magdalena Jooss, Janina Totzauer, Siyoung Kim, Youlee Ku, Fabian Feichter, Hyeyoung Ku, Irene Macalli, Thandi Pinto, Shaqa Bovand, Laumkon, Maria Mbereshu, Rebecca Moccia, Matteo Pizzolante.
Idee & KL : Danilo Bastione
KL & Rahmen : Carina Müller
Residency Home: Planetary Dialogues – Rural Reset
18 Mai bis 19. Juli 2026
Neapel, München, Görisried
Jet Leg
14.04.2023JetLeg ist nicht etwas Lineares, das von einem Punkt zum anderen führt.
Sondern eher etwas Rhizomatisches, das auch die Veränderungen im Laufe der Zeit erfasst.
Das heißt, sie wandelt sich durch Moral, persönliche Meinungen, Fähigkeiten und Wissen.
Wenn es keine Fakten, sondern nur Interpretationen gibt, zwingt uns die Unsicherheit, die in der heutigen realen Welt und virtuellen Homogenität entsteht, nach neuen Denkweisen zu suchen, um uns in einer pluralistischen Gesellschaft neu zu positionieren.
[…] damals nannte man das Pessimismus und Zynismus, heute haben wir es modisch in ‘Akzeptanz der Erosion’ umbenannt.
In diesem Kontext fungieren die Künstlerinnen als Vermittlerinnen, die das Geschehen beobachten und reflektieren, sich abheben und verschiedene Spannungen und Reibungen aushalten.
Es ist eine Kunst, bei der es weder um Politik noch um Repräsentation oder Reportage geht, sondern um Dialog und Zusammenarbeit.
Der “Jet lag” hat damit nichts zu tun. Stattdessen eine Veränderung, eine permanente existenzielle Konfrontation, das “Jet Leg” ist da.
Die Blase, die ständig von Missverständnissen durchlöchert wird.
Die leeren Räume sind dicht mit Energie gefüllt.
Das Gefühl der Unvollständigkeit, das Ausdruck jeder unserer Gewohnheiten ist.
Die falschen Beweise, die Verbindungen und Widersprüche schaffen, die für die Entstehung dessen, was man gemeinhin Poesie nennt, von großer Bedeutung sind.